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Die Glücksbringer Aktion 2016

Glücksbringer Tagebuch 2017

4. Tag: Donnerstag, 28.12.2017

Wir werden von Pater Claudio in Empfang genommen, welcher uns schon seit der Ankunft immer wieder besucht hat und sich um die Gemeinden in der Umgebung von Gaesti kümmert. Nachdem wir mit ihm gemeinsam einige Päckchen verteilt haben, lädt er uns in seine Kirche ein. Im griechisch – orthodoxen Gotteshaus stehen zwei lange Tafeln, die sich vor lauter Köstlichkeiten fast biegen. Die Einheimischen haben gemeinsam Speisen zubereitet und ihre scheinbar unendliche Gastfreundschaft bringen unsere Mägen ans Limit. Auch wenn wir uns anfangs unwohl fühlen, Essen von denen Menschen anzunehmen, die es selbst am nötigsten brauchen, freuen wir uns dennoch über ihre Herzlichkeit. Es ist für uns am Anfang sehr ungewohnt in einer Kirche zu Mittag zu essen, doch wir lernen schnell, was der Begriff „Vesper“ also auch bedeuten kann! Gestärkt von den Speisen und den liebevollen Blicken, Umarmungen und nonverbalen Gesprächen, machen wir uns weiter an die Arbeit. Diese lässt nicht lange auf sich warten, da vor der Kirche bereits rund 60 Menschen hoffnungsvoll um die Maltesersprinter stehen. Unter Anweisung von Pater Claudio, der genau weiß, wo die Not am größten ist, verteilen wir die ersten 50 Pakete an die ersten Familien. Nachdem sich die Stimmung aufheizt bilden unsere Trucker eine Reihe zum Schutze der Helfer, um eine konstruktive Arbeit zu ermöglichen und für Ordnung zu sorgen. Da es dennoch zum Streit um die Pakete kommt, ändern wir die Strategie und fahren direkt an die Häuser der Bedürftigen. Wir fahren einige Straßen ab und übergeben die Päckchen persönlich. Einige Familien gewähren uns sogar Einblick in ihre Häuser, wobei dies der euphemistische Begriff für „Holzbaracke“ ist. Und auch Baracke wäre noch beschönigt, denn die Bauten bestehen zum Teil nur aus wenigen Baustoffen, die mit Müh und Not zusammengehalten werden, um Schutz vor der elenden Kälte in den rumänischen Winternächten zu gewähren. Doch nicht nur das klägliche Feuer in dem provisorischen Kamin hilft dagegen, sondern auch das strahlende Gesicht eines beschenkten Kindes erwärmt unsere Herzen. Gestärkt durch diese Begegnung setzen wir unsere Arbeit fort und lernen eine Vielzahl an Schicksalen kennen. Und auch wenn die Menschen es uns nicht erzählen können, so sprechen ihre Gesichter, ihre Kleidung und ihre „Häuser“ Bände. Mit jeder Begegnung, mit jedem übergebenen Päckchen und mit jedem Lächeln, werden wir in unserem Handeln bestärkt. Als auch das letzte der über hundert Pakete verteilt ist, treten wir erschöpft den Heimweg zur Herberge an. Vermutlich war keiner bisher so froh, sich unter eine warme Dusche zu stellen, sich frische Klamotten anzuziehen und die Wärme der Heizung und des weichen Bettes zu genießen. Während des Abendimpulses tauschen wir unsere Erfahrungen aus und sprechen über die Geschehnisse. Erschöpft beenden wir unseren Tag und sind gespannt, was uns morgen erwarten wird.

3. Tag: Mittwoch, 27.12.2017

Um 6:30 klingeln die Wecker und wir machen für den wahrscheinlich anstrengendsten Tag bereit. Drei LKWs werden durch Menschenketten, bestehend aus Glücksbringern und Rumänen, entladen. Auch wenn sprachliche Barrieren uns an tiefgründigen Konversationen hindern, so ist ein Lächeln dennoch international verständlich. Wo die Motivation beim Entladen des ersten Gefährts noch hoch ist, lässt sie von Päckchen zu Päckchen nach, da diese immer schwerer und gefühlt nicht weniger werden. Nach einiger Zeit ist dann auch der zweite LKW leer, doch als die routinierten Trucker versuchen, über das Gelände zu fahren, stehen wir vor einer weiteren Hürde. Nicht nur die Kräfte schwinden, sondern auch das Wetter spielt nicht mehr mit. Zwar ist es angenehm warm, doch genau diese Wärme sorgt dafür, dass durch das Auftauen des Bodens der letzte Truck im Schlamm stecken bleibt. Das Gefährt steckt fest und es scheint kein Weg daran vorbei zu führen, eine 100m lange Menschenkette zu bilden. Alle raffen ihre letzten Kräfte zusammen, um auch den letzten LKW zu räumen und als das Lager erst einmal gefüllt ist, beginnen wir erneut umzuräumen. Die Sprinter werden nun beladen, um die Päckchen in die ersten Familien zu fahren. Diese heißen uns freudig willkommen und zeigen uns, wie sie wohnen. Wir betreten vollgepackt mit Glücksbringerpäckchen die Zeugnisse der Armut und überreichen die Geschenke den Kindern, die die Pakete freudestrahlend öffnen. Wir vergessen in diesem Moment jede Anstrengung und freuen uns mit den zwei kleinen Mädchen, die glückselig im Bett sitzen und die Kuscheltiere betrachten. Wir verteilen noch einige Pakete in der Wohnsiedlung und lassen den Abend zuerst bei einem Essen mit dem Bürgermeister, dann im Haus einer der Organisatoren, ausklingen. Fazit: anstrengend, aber beeindruckend!

2. Tag: Dienstag, 26.12.2017

Während die LKWs bereits auf dem Weg sind, machen auch wir uns nach einem kurzen Frühstück auf in Richtung Gaesti – dem Ziel unserer Reise. Nachdem wir die ungarisch-rumänische Grenze gut überquert haben, bewundern wir die Weite des Landes und die schwachen Blasen der Mädels müssen mit Bedauern feststellen, dass es in Rumänien deutlich weniger Raststätten gibt, als in Deutschland. Nachdem auch diese Hürde an einer kleinen Autobahnausfahrt überwunden ist, können wir uns dem Kochen widmen und werden zum ersten Mal mit der Armut konfrontiert. Dass wir keinen Luxus erwarten können, war zwar jedem klar, aber als wir dem ersten Straßenhund begegneten war das Leid spürbar. Während wir unser zuvor gekochtes Mittagessen genießen und unsere Finger in der eisigen Kälte daran wärmen, schaut uns das mitleiderregende Tier traurig an und wir machen uns schnell wieder auf den Weg, bevor das Mitleid uns überwältigen kann. Nach einer kurvigen Fahrt über die Karpaten befinden wir uns auf der Zielgeraden und erreichen Gaesti vor der geplanten Ankunft – dennoch wesentlich später als die Trucker. Wir werden herzlich begrüßt und fahren zum Lager, wo bereits köstlich traditionell für uns gekocht wurde. Das gesamte Team, bestehend aus Truckern, Helfern und Einheimischen, sitzt gemeinsam am Tisch und genießt bei bester Stimmung das Abendessen. Erschöpft begeben wir uns zurück in die Herberge und lassen den Abend nach einem kurzen Impuls in unseren Zimmern ausklingen.

1. Tag: Montag, 25.12.2017

Acht müde Gesichter in acht Quadratmeter Freiheit. Der Maltesersprinter ist vollgepackt und wir machen uns auf den Weg, Glücksbringer zu werden. Gestärkt durch den Morgenimpuls und den Reisesegen beginnen wir am ersten Weihnachtsfeiertag unsere Reise nach Rumänien. Die Fahrer der mit Päckchen gefüllten LKWs sind schon längst auf der Straße um ihren Urlaub im Sinne der Nächstenliebe zu gestalten. Während wir noch einen Frühstücksstop machen, sind diese weiter auf der Straße unterwegs und erwarten uns bereits, als wir die Raststätte für die Mittagspause erreichen. Wir wärmen unseren zuvor gekochten Linseneintopf auf und essen mit bester Laune gemeinsam unser Festmahl nach Bundeswehrrezept. Passend dazu tragen wir unsere dicken, grauen Parkas und wärmen uns mit freudigen Gedanken an die kommenden Tage. Nach dem Abwasch machen sich sowohl die Trucker, als auch wir, auf. Nach weiteren sechs Stunden Fahrt erreichen wir die Herberge in Ungarn und machen uns frisch, bevor es zum Abendessen geht. Die Speisekarte bot uns die Möglichkeit, ein Festtagsessen nachzuholen, da es mitunter Zwiebelrostbraten und schwäbische Gerichte gab. Mit vollen Bäuchen und müden, aber glücklichen Gesichtern, gingen wir auf unsere Zimmer und beendeten den Tag im wohlig warmen Bett.